Aktuelles aus der Berglaufszene

Deutsche Berglaufmeisterschaften am 10.06.2017

30.05.2017: Wilfried Raatz, Autor des Berglauf-Journal und früherer Berglaufberater des DLV, äußert sich kritisch zur Laufstrecke der DM in Bayerisch Eisenstein. Nachzulesen auf der Website www.berglauf.info, dort auch Fotos von der Streckenbesichtigung.

Stellungnahme von Jonas Lehmann, Pfälzer Spitzenläufer und Mitglied des Berglauf-Nationalteams (31.05.2017):

Da ja gerade sehr viel Aufregung um die Strecke der anstehenden DM im Bayerischen Wald herrscht und mich das Ganze ja auch in gewissem Umfang betrifft, möchte ich auch einmal Stellung zu besagtem Sachverhalt beziehen.
Dabei möchte ich zunächst klarstellen, dass es mir nicht um eine Wertung der Laufstrecke und insbesondere der vielfach diskutierten kritischen (Bergab)Passagen geht. Eine solche werde ich mir vor einer persönlich durchgeführten Streckenbesichtigung nicht anmaßen. Diese werde ich zu gegebener Zeit vor dem Rennen vornehmen, lässt mich aber zugleich zum ersten Punkt der Diskussion kommen:

Die Strecke ist für einen Großteil der Starter bislang unbekannt.

Der Umstand, dass eine deutsche Meisterschaft bei einem völlig neuen Lauf auf einer eigens dafür ausgearbeiteten Strecke stattfindet, kann zumindest als nicht ideal bezeichnet werden. Hier ist sicherlich die Austragung bei einer etablierten Berglaufveranstaltung vorteilhafter. Die hinlänglich diskutierten Probleme, einen durchführungswilligen Veranstalter zu finden, lassen aber mitunter keine andere Lösung zu, und wir alle sollten als Läufer zunächst einmal dankbar sein, dass es Menschen wie Stefanie Felgenhauer und das Team um sie gibt, die für die Organisation einer solchen Veranstaltung viel Zeit und Mühe aufwenden.

Zugleich sollte dann aber auch ein gewisses Augenmerk darauf gelegt werden, den Teilnehmern vorab ein gewisses Grundmaß an Informationen zur Verfügung zu stellen. Hierzu gehören aus meiner Sicht bei einer erstmalig stattfindenden Veranstaltung eben auch Bilder der Strecke. Die Beschreibung auf der offiziellen Homepage ist in dieser Hinsicht eher dürftig, zumal sich aus dieser keinerlei Hinweis auf eine steile Bergabpassage oder die Treppen zum Schluss ergeben.
Daher geht an dieser Stelle wiederum mein Dank an Wilfried Raatz, der den Weg in den Bayerischen Wald auf sich genommen und eine Vielzahl an Bildern geliefert hat. Schon allein für solch scheinbar banale Fragestellungen wie die Wahl des geeigneten Schuhwerks ergeben sich hieraus wertvolle Hinweise. Die Beweggründe für die Bilder und für den angeschlossenen Bericht möchte ich nicht diskutieren und spielen für mich auch nur eine untergeordnete Rolle. Fakt ist: Die Informationen kommen von ihm und von keinem anderen und ohne diese würden wahrscheinlich Viele, die erst am Freitagabend anreisen, ziemlich im Dunkeln tappen.
Leider spiegelt sich in diesem Vorgehen der mangelnden Vorabinformation ein allgemeiner Trend wider, der in den letzten Jahren bereits bei Veranstaltungen des WMRA anzutreffen war. In diesem Sinne bleibt nur zu hoffen, dass die Streckenbesichtigung nicht in einer ähnlichen Ernüchterung endet wie bei der Berglauf-WM 2014 in Casette di Massa, als zum Teil gesundheitlich bedenkliche Streckenabschnitte nicht zuletzt bei mir selbst Gedanken an einen Startverzicht aufkommen ließen.

Was in diesem Zusammenhang wünschenswert wäre, ist eine offizielle Stellungnahme seitens des DLV, von dessen Seite bislang bemerkenswerte Stille herrscht. Dies schon allein aus dem Grund, dass sich das Team um Stefanie Felgenhauer hier plötzlich Vorwürfen ausgesetzt sieht, mit denen man wohl nicht gerechnet hat. Eine Äußerung zu den angebrachten Kritikpunkten, unabhängig ihrer Berechtigung, wäre hier in jedem Fall angebracht. Bleibt zu hoffen, dass dies noch geschieht und – was ich mir an dieser Stelle am meisten wünschen würde – auch eine Korrektur der besagten Streckenabschnitte stattfindet, sollten sich die Kritikpunkte erhärten.
Ansonsten bleibt letztlich nur eine allgemeine Verunsicherung bei Läufern und Veranstaltern zurück, die nicht im Interesse des DLV sein kann.

Abschließend bleibt mir nur noch, uns allen noch eine gute Vorbereitung und schließlich einen schönen und unfallfreien Lauf zu wünschen, an dessen Ziel hoffentlich jeder den Ausblick über eine der zweifellos interessantesten Gegenden unserer Bundesrepublik genießen kann.